Tierische Mitbewohner

JESSIE

Seit 2002 lebte der (jahrzehnte-)lang ersehnte Hund bei uns. Jessie, eine polnische Straßenhündin, die wir im Alter von 13 Monaten aus dem Tierheim übernommen hatten. Jessie lehrte mich sehr schnell, dass es „Lassie“ nur im Film gab. Ich erlebte mit ihr sämtliche Höhen und Tiefen (anfangs sehr viel mehr Tiefen), die Hundehaltung beinhalten kann. Als Jessie zu uns kam, waren wir bereits ihre fünfte Heimat. Neben ihrem extrem ausgeprägten Jagdverhalten und ihrer Abneigung sämtlichen Artgenossen gegenüber, hatte sie offensichtlich auch gelernt, dass man sich auf Menschen nicht verlassen kann, sondern sie selber für sich und ihre Sicherheit zu sorgen hatte. Ihre deshalb recht eigenständige Lebensweise machte es uns doppelt schwer, in irgendeiner Form erzieherisch auf sie einzuwirken. Wir gingen den Weg, den die meisten hilfesuchenden Hundehalter hinter sich haben: Wir brachten in drei verschiedenen Hundeschulen die Trainer an die Grenzen ihrer Kapazität und wurden jedes Mal mit den Worten „Das müsst ihr akzeptieren, die ist halt so, da kann man nichts mehr machen“ entlassen.
Mittlerweile hatte ich selber Unmengen an Fachliteratur gelesen und wollte das Zusammenleben mit unserem Hund nicht auf diesen Aussagen beruhen lassen. Allerdings war für uns klar, dass wir nicht mit tierschutzrelevanten Methoden, wie Stachelhalsband, Kettenwürger oder diversen Sprüh- oder (mittlerweile zum Glück verbotenen) Stromreizgeräten, Schlägen oder sonstigem physischen und psychischen Unter-Druck-Setzen arbeiten würden. Unsere Geduld wurde belohnt. In der vierten, einer animal-learn-Hundeschule, erreichten wir, auf wirklich(!) gewaltfreiem Weg, dass Jessie im Laufe der Zeit eine gut händelbare Hündin wurde. Ihr Jagdverhalten beschränkte sich letztendlich vorwiegend auf Katzen, wobei auch hier in stark abgeschwächter Form. Ansonsten waren für alle Beteiligten entspannte Spaziergänge, über weite Strecken im Freilauf, möglich. Kontakte mit Artgenossen waren kein Problem mehr, sofern die Örtlichkeiten und das Gegenüber stressfreie und hundegerecht-höfliche Zusammentreffen zulassen. Sie hatte im Lauf der Zeit sogar einige gute Hundefreunde, in deren Gegenwart sie richtiggehend aufblühte.

Durch ihre selbstverständliche Art, in der sie sich in der Umwelt bewegte, konnte sie ängstlichen und aufgeregten Hunden dabei helfen, vertrauensvoll und besonnen Situationen zu meistern. Mit Ruhe und Gelassenheit lernte sie Welpen und Junghunden sehr souverän, wie man sich erwachsenen Hunden gegenüber zu verhalten hat. Ihre mittlerweile fein abgestimmten Signale - oft nur Blicke - reichten dafür aus.

Sie hatte sich zu einer wunderbaren Begleiterin entwickelt, die mit ihren Menschen durch dick und dünn ging.

Nach langer schwerer Krankheit, mussten wir Jessie am 24. Mai 2014 leider über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Wir danken ihr von ganzem Herzen, dass sie bei uns war und werden sie nie vergessen!

MERLIN

Früher als  geplant, ist im Mai 2009 mit dem damals dreijährigen Collie/Bodercollie-Mix Merlin unser Zweithund bei uns eingezogen. Seine vorherigen Halter wollten ihn einschläfern lassen, nachdem sie kein Interesse mehr an ihm hatten. Sein (Über-)leben hatte er einer engagierten Tierarzthelferin zu verdanken, die ihn von dort abholte und ins Tierheim brachte (den Haltern war der Weg ins Tierheim zu weit!). Merlin entpuppte sich bei uns als ein sehr ängstlicher Hund. Er reagierte extrem auf Körperhaltungen, Sprache, Lautstärke. Sein Verhaltensrepertoire beschränkte sich auf Demuts- und Beschwichtigungsgesten. Auch mental war er vollkommen verkümmert.

Merlin hatte bei seinen vorherigen Haltern offensichtlich Schlimmes erlebt. Die ersten Wochen bei uns zuhause war er überaus vorsichtig und mißtrauisch. Vor allem Männer machten ihm große Angst, besonders, wenn sie irgendetwas in der Hand hielten. Sobald man in seine Nähe kam, legte er sich intensiv beschwichtigend auf den Rücken. Von sich aus nahm er nur sehr unterwürfig Kontakt zu Menschen auf. Merkte er jedoch, dass dieser Mensch ihm nichts Böses wollte, dann genoss er die Streicheleinheiten sichtlich.
Merlin kannte weder Spielen noch so einfache Dinge wie "Pfote geben". Er  traute sich nicht, seine Umwelt zu erkunden, sogar das suchen und erschnüffeln von Leckerlis war ihm suspekt. Wohnen im Haus war ihm ebenso fremd.

Merlin war trotz seiner Vorgeschichte ein kuschelbedürftiger, verschmuster Hund geworden, der immer wieder freundlichen Kontakt zu Menschen - auch Männern - suchte. Auch mit Hilfe von Jessie hatte er sich schnell bei uns eingelebt und machte tolle Fortschritte, was Verhalten und Lernen betraf. Er hatte sich zu einem über weite Strecken äußerst fröhlichen Hund entwickelt, der es liebte, zu spielen und uns immer wieder mal Haus und Garten durchstöbern ließ auf der Suche nach unseren Schuhen oder Socken.

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass er über ein recht gutes Sozialverhalten anderen Hunden gegenüber verfügt. Ängstlichen Hündinnen nahm er durch seine zurückhaltende und höfliche Art die Scheu vor großen Hunden, pubertierenden Jungrüden zeigte er deutlich, aber kontrolliert ihre Grenzen auf. Von seinen unzähligen Ängsten waren am Schluß nur noch zwei vorhanden. So war er immer noch sehr beunruhigt, wenn er im Auto mitfahren sollte und Feuerwerk oder Gewitter waren für ihn als geräuschempfindlichen Hütehund äußerst besorgniserregend. Durch gezielte Managementmaßnahmen und Training konnten wir auch dabei noch Fortschritte machen.

Am 10. Oktober 2020 trat Merlin im Alter von 14 1/2 Jahren seine letzte Reise an...
Wir vermissen ihn unendlich und sind sehr dankbar, dass uns dieser wundervolle, einzigartige Hund so viele Jahre begleiten durfte. In unseren Herzen lebst du weiter.... run free Merlin...

NELSON

Nelson stammt aus einem illegalen Welpentransport, der mit 21 Hunden unterwegs von der Slowakei nach Italien war. Zum Glück wurde der Transport in Bad Reichenhall gestoppt. Die zwischen zwei und maximal sechs Wochen alten Welpen wurden beschlagnahmt und kamen ins Tierheim, wo die schwerkranken Hunde aufgepäppelt wurden. Als Nelson im Juli 2014 ca. acht Wochen alt war, wurden wir gefragt, ob wir denn Pflegestelle für ihn werden möchten, sollte er doch sobald wie möglich in eine richtige Familie einziehen. Wir sagten zu und reihten uns wenige Tage nach seiner Ankunft bereits in die große Anzahl der Pflegestellenversager ein - es war klar, dass wir den kleinen Kerl nicht mehr hergeben konnten. Er passte von Beginn an perfekt zu uns!

Merlin hatte den "kleinen Quälgeist" sofort adoptiert und blühte sichtbar auf. Die lange Leidenszeit unserer kurz vorher verstorbenen Jessie hatte auch ihm sehr zugesetzt.
Merlin war unglaublich geduldig mit dem quirligen Jungspund, zeigte ihm aber auch deutlich seine Grenzen auf, wenn er wieder mal über die Stränge schlug. Im Laufe der Zeit wurden die Beiden ein richtiges "Dreamteam". 

Der vermeintliche Zwergpudel hat sich zu einem stattlichen Kleinpudel entwickelt. Trotz seiner schwierigen Startbedingungen besticht er durch seine Fröhlichkeit und seine Unerschrockenheit.
Mit großem Freiheitsdrang wirbelt er als unbeschwerter Sonnenschein durch unser Leben und verblüfft uns immer wieder aufs Neue mit seiner Pfiffigkeit und Cleverness. 

OSKAR

Nachdem Merlin gestorben war, wurde Nelson aus Trauer um ihn sehr krank, so dass wir uns nach einiger Zeit auf die Suche nach einem neuen Freund für ihn machten. Fündig wurden wir letztendlich im Tierheim Plattling. Dort war eine Mischlingshündin aufgenommen worden, die ursprünglich aus Kroatien stammte und bereits trächtig nach Deutschland vermittelt wurde. Bei ihrer neuen Halterin bekam sie zehn Welpen. Als die Kleinen zwei Wochen alt waren, wurde die gesamte Hundefamilie im Tierheim untergebracht, da die Halterin schwer erkrankt war und sich nicht mehr um die Hunde kümmern konnte.
Die Zeit im Tierheim musste die Hündin mit ihren Welpen in Quarantäne verbringen, da sie alle an einem hartnäckigen Hautpilz litten - erst mit 12 Wochen konnten die Kleinen gesund vermittelt werden.
Oskar war derjenige, der mir beim Besuch im Tierheim als einziger keine Sekunde von der Seite wich, so dass klar war, dass er es war, der im Februar 2021 bei uns einzog. Vom Typus her vermutete ich auch, dass er am besten zu Nelson passen würde, was sich dann bestätigte - die Beiden verstanden sich von Anfang an sehr gut und Nelson gewann schnell wieder seine Lebensfreude zurück.
Trotz der suboptimalen Startbedingungen entwickelt sich Oskar richtig toll. Er ist ein aktiver, lebenslustiger Hund, der vertrauten Menschen gegenüber sehr aufmerksam und zugewandt ist. Aufgrund seiner mangelnder Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten, braucht er Zeit, sich mit Umweltreizen vertraut zu machen, um nicht damit überfordert zu werden. Seine anfängliche Scheu vor fremden Menschen hat er schnell abgelegt und auch Autofahren ist mittlerweile kein Problem mehr für ihn. Mit Geduld und kleinschrittigem Training gehen wir derzeit noch seine von Beginn an bestehende große Angst vor allen anderen Hunden (außer Nelson) an. Was die Ursache für dieses extreme Verhalten fremden Hunden gegenüber ist, wissen wir nicht, sind aber zuversichtlich, dass wir mit angepasstem Training Erfolge erzielen werden. Welche Rassen in Oskar stecken, ist völlig unbekannt, die Welpen sahen alle unterschiedlich aus und hatten möglicherweise sogar verschiedene Väter.

Alma, Danu und Ata Ulf

2010 sind Alma, Danu und Ata Ulf, drei Meerschweinchen aus dem Tierheim, bei uns eingezogen. Sie bereichern unseren Alltag durch ihre lebensfrohe Art, die von den Hunden ausgiebig beobachtet wird.
Leider ist Alma im November 2015 im Alter von sechs Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen, im Juni 2016 Danu und Ata Ulf folgte "seinen Mädels" im Juni 2017. Nun ist es wieder um einiges stiller bei uns geworden
 

Frau Helmbrecht

Unsere dsungarische Zwerghamsterpersönlichkeit Frau Helmbrecht kam mit ca. 5 Wochen aus dem Tierheim zu uns. Völlig unerschrocken benutzte sie Jessie als Rutschbahn und Knabberunterlage, was unsere große Jägerin wenig beeindruckte! Frau Helmbrecht hatte einen ausgeprägten starken Willen, was sie sich in den Kopf setzte, das zog sie bedingungslos durch – auch wenn sie zehnmal scheiterte, dann versuchte sie es eben ein elftes Mal. Sie ließ sich von kaum etwas beeindrucken. Leider ging sie im Juni 2009 im Alter von zwei Jahren über die Regenbogenbrücke. Ihr so energiegeladenes Leben ließ ihr nicht mehr Lebenszeit.